Stelle der Notlandung Chamberlins

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Clarence Chamberlin war ein amerikanischer Luftfahrtpionier, der am 4. Juni 1927 als Pilot zusammen mit dem Millionär und Luftfahrtenthusiasten Charles A. Levine ein bedeutendes Abenteuer unternahm. Das Duo startete in New York mit der WB 2 Bellanca („Miss Columbia“), einer speziell für Langstreckenflüge ausgelegten Maschine, zu einem Transatlantikflug. Ziel war es, von den Vereinigten Staaten nach Europa zu fliegen, wobei Berlin als Ziel anvisiert war – eine unglaubliche Herausforderung zu dieser Zeit.

Obwohl Charles Lindbergh nur 16 Tage vorher den ersten Solo-Transatlantikflug von Amerika nach Paris erfolgreich absolvierte, war Chamberlin ein weniger bekannter, aber ebenso mutiger Pionier, der aber als erster einen Passagier beförderte und bis nach Berlin weiterfliegen wollte. Der Flug von Chamberlin und Levine, der in New York begann, nahm jedoch eine dramatische Wendung.

Notlandestelle Klinge Lugteich (06. Juni 1927), Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.
Notlandestelle Klinge Lugteich (06. Juni 1927), Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.

Die Notlandung in Klinge

Über dem Meer versagte der Kompass der Maschine. Chamberlin und Levine mussten sich mit einem Taschenkompass sowie anhand von Flüssen und Landmarken orientieren, was sie schließlich vom Kurs abbrachte und ihnen zweimal das Benzin ausging. Die erste Notlandung fand zunächst in Eisleben bei Halle (Saale) statt.

Nach dem Weiterflug diente eine Bahnlinie als Orientierung. Statt der Strecke Halle-Berlin folgten sie jedoch der Linie Halle-Cottbus. Erst über Cottbus bemerkte Chamberlin den Irrtum. Er flog eine Schleife, um auf dem Cottbuser Flugplatz zu landen. Doch über Klinge versagte der Motor, und die Maschine musste erneut notlanden.

Diese zweite Notlandung in Klinge am 06. Juni 1927 gegen 12 Uhr war dramatischer, aber glücklicherweise gab es keine ernsthaften Verletzungen. Auf der sumpfigen Lugteichwiese versanken die Flugzeugräder der „Miss Columbia“ tief im morastigen Boden. Das Flugzeug wurde so stark abgebremst, dass der Propeller im weichen Boden versank und beschädigt wurde.

„Die Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet“, erzählte der damals 92-jährige Zeitzeuge Günther Dielau aus Gosda im Jahre 2012 gegenüber der Lausitzer Rundschau. „Ein Flugzeug, das war damals noch eine wirkliche Sensation.“ Gleich nach der Schule war der siebenjährige Günther Dielau mit seinen Freunden losgerannt, querfeldein, von Gosda bis zu den Lugteichwiesen bei Klinge.

Dicht gedrängt hatten die herbeigeeilten Einwohner von Klinge die beiden Amerikaner umringt, die außer dem Wort „Hunger“ kein Deutsch sprachen. Ein Klinger Ingenieur, der Englisch konnte, übernahm das Übersetzen und rief in Cottbus an, um das unerwartete Eintreffen der „Miss Columbia“ zu melden.

Bald berichtete auch der Rundfunk darüber. Von Cottbus und Forst machte sich daraufhin ein Strom von Neugierigen auf den Weg, und aus Berlin reiste ein Filmteam der Wochenschau an. Unterdessen wurden Chamberlin und Levine von den Klingern in Scheppans Gasthaus begeleitet und dort bewirtet.

 

Notlandestelle Klinge Lugteich (06. Juni 1927), Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.
Steinhaufen zur Erinnerung an die Notlandung, Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.

Der Propeller wurde von Flugzeugmechanikern des nahegelegenen Flugplatzes Cottbus repariert. Einen Tag später konnten Chamberlin und Levine in Klinge starten und erreichten von Cottbus aus mit Verspätung Berlin-Tempelhof, wo etwa 150.000 begeisterte Berliner warteten.

Der Vorfall zog weltweit große mediale Aufmerksamkeit auf sich. In einer Zeit, in der der Luftfahrtboom gerade erst begann wurde jedes große Ereignis von der Öffentlichkeit mit Begeisterung verfolgt. Die Notlandung verdeutlichte die technischen Herausforderungen, mit denen die frühen Luftfahrtpioniere konfrontiert waren, und trug zur Weiterentwicklung von Flugzeugen und der Luftfahrtindustrie bei.

Für das kleine Dorf Klinge war diese Notlandung ein denkwürdiges Ereignis, das es in die Weltgeschichte brachte. Auch wenn es international nicht die gleiche Bedeutung wie Lindberghs Flug hatte, wurde Klinge dennoch in den Luftfahrtgeschichtsbüchern erwähnt.

Chamberlin vergaß den herzlichen Empfang in Klinge nicht. Ein Jahr später kehrte er mit seiner Frau zurück.

Auch wenn Chamberlin und Levine von Lindbergh in den Schatten gestellt wurden, bleibt ihre Leistung ein wichtiger Beitrag zur Luftfahrtgeschichte. Sie zeigten den Mut und das Durchhaltevermögen, die für solche Pionierflüge notwendig war.

Heute befindet sich der Ort, an dem Clarence Chamberlin und Charles A. Levine am 6. Juni 1927 mit ihrer „Miss Columbia“ notgelandet sind, auf dem Asche- bzw. Gipsdepot I des Tagebaus Jänschwalde.

Der ursprüngliche Standort liegt jedoch etwa 25 Meter unter dem heutigen Gelände.

Die "Miss Columbia" mit abgebrochenem Propeller (06. Juni 1927), Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.
Kurz vor dem Start (07. Juni 1927), Bildrechte: Heimatverein Klinge e.V.